
Wie Assistenzsysteme auf Emotionen reagieren können
Am vergangenen Donnerstagabend verwandelte sich der fünfte Stock im Haus der Wissenschaft in Braunschweig in ein Forum für die Zukunft der sozialen und medizinischen Versorgung. Unter dem Titel, „Wie intelligente Assistenzsysteme auf unsere Emotionen und Aufmerksamkeit reagieren können“, lud Prof. Dr. Sandra Verena Müller für den Leibniz WissenschaftsCampus Postdigitale Partizipation Braunschweig zu einem Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion ein, der auf enormes Interesse stieß. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt und bis in den späten Nachmittag hinein erreichten die Veranstalter Anfragen nach zusätzlichen Plätzen.
Die Veranstaltung wurde durch Dr. Jeremias Othman, den Geschäftsführer des Hauses der Wissenschaft, eröffnet, der die Gäste in der frühabendlichen Atmosphäre willkommen hieß. In ihrem Grußwort unterstrich Stadträtin Dr. Christina Rentzsch, Leiterin des Sozial-, Schul-, Gesundheits- und Jugenddezernats, die Bedeutung regionaler Vernetzung. Als Vorsitzende der Gesundheitsregion Braunschweig betonte sie das Leitmotiv „kommunal, vernetzt und innovativ“, um technologische Innovationen direkt zu den Menschen in der Region zu bringen. Auch die Dekanin der Fakultät Soziale Arbeit, Prof. Dr. Sandra Verena Müller, hieß das Publikum herzlich willkommen, dankte allen Beteiligten, die diesen interdisziplinären Austausch ermöglichten und führte in die Thematik ein.
Der anschließende Fachvortrag von Prof. Dr.-Ing. Britta Wrede von der Universität Bielefeld bot tiefe Einblicke in die Arbeit des Forschungsbereichs für Inklusive Medizin. Ein zentrales Problem der heutigen medizinischen Versorgung ist die Diagnostik bei Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen, da klassische Verfahren oft auf standardisierten Fragebögen beruhen. Diese setzen jedoch eine Fähigkeit zur Selbsteinschätzung und Reflexion voraus, die bei dieser Personengruppe nicht immer im notwendigen Maße gegeben ist, was zu Fehldiagnosen oder einer Übermedikation führen kann. Prof. Wrede präsentierte hierzu das Projekt GazeAid, das einen objektiven technischen Ansatz verfolgt. Anstatt sich auf verbale Aussagen zu verlassen, nutzt das System Blickbewegungsanalysen und EEG-Daten, um Aufmerksamkeitsmuster präzise zu messen und so beispielsweise eine ADHS-Diagnose zu unterstützen.
